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Dorit Rust - Direktkandidat im Wahlkreis 061

am Sontag den 26. September kommt es auf Ihre Stimme an. Sie entscheiden mit der Wahl der Direktkandidaten, wer Ihre Interessen im Deutschen Bundestag vertreten darf. Ich bewerbe mich als Ihr Direktkandidat für den Wahlkreis 061  -Potsdam und bitte um Ihre Unterstützung.

 

Ich kandidiere, weil ich will, dass Gesetze auf der Grundlage parteiübergreifender, sachbezogener Vernunft und frei von Koalitionszwängen entworfen, debattiert und zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Weil ich von dem Willen zu einer neuen kollegialen Umgangskultur in unserem Parlament zwischen den Parlamentariern ebenso wie zwischen Parlament, Souverän und Institutionen durchdrungen bin. Schluss mit Gesetzen, die mit Koalitionsmacht mehrheitlich sehenden Auges in dem Wissen beschlossen werden, dass sie nach einem langen Weg der Widerspruchs-Bearbeitung letztlich vor dem Bundesverfassungsgericht und vor allem vor unserem Grundgesetz nicht ohne tiefgreifende Nachbesserung bestehen werden. Ich bin für entschieden mehr Mitspracherecht des Souveräns 1. an der Priorisierung von Gesetzesvorhaben und 2. an der Entscheidung über Gesetzesvorlagen. Das betrifft jeden Sach- und Fachbereich in Staat und Gesellschaft.

Dorit Rust

Freie Autorin aus Potsdam

Mein Name ist Dorit Rust und ich bin Schriftstellerin. Im Wesentlichen unveröffentlichte Schriftstellerin. Von Nichtveröffentlichungen kann man als Schriftstellerin selbstverständlich nicht leben. Ich schreibe also Dramatik, Lyrik, Roman und Kurze Prosa, manchmal auch Polemik; schreibe eben was und wie ich will und lebe dabei von dem, was mir zumeist Familienangehörige dafür bezahlen. Sie bezahlen mich aus der gemachten Erfahrung heraus, dass ich nicht nur meine, sondern auch ihre narrativen Interessen professionell wahrheitsgetreu vertrete. Und außerdem lebe ich noch von der Bezahlung für Gelegenheitsarbeiten, die mir zumeist ebenfalls Familienangehörige hier und da vermitteln. Das sind dann handwerkliche oder logistische Zuarbeiten in verschiedenen Gewerken, zumeist im Geigen- oder Gartenbau, oder etwa Workshops in Multipler Kommunikation, die ich mit angewandten theaterähnlichen Mitteln abhalte und nachhaltig wirksam gestalte.

Das mache ich seit gut dreißig Jahren. Und deshalb bin ich eigentlich nicht geeignet, Kanzlerin zu werden. Weil ich seit 30 Jahren das bin, was man landläufig „erfolglos“ nennt. Eine erfolglose Kanzlerin kann keiner gebrauchen. Andererseits bin ich aber auch gerade deshalb erfolglos, weil ich seit dreißig Jahren unverdrossen der Wahrheit über Menschenleben verpflichtet bin und mir diese Wahrheit, trotz vieler Versuche dahingehend, nicht habe abkaufen oder abjagen oder verdrehen oder verkürzen lassen.
Außerdem könnte ich bestimmt Kanzlerin, weil ich, auch wenn bisher lebenslang parteilos, als Homo politicus beinahe schon zur Welt gekommen bin. Von Kindheit an war ich beteiligt an sozialen Hilfsaktionen für Ältere, Schwache, Kranke aus politischen Gründen. Jeden Tag war ich unterwegs mit meiner ersten wichtigsten Betreuungsperson, einer Großtante, um im Namen der „Volkssolidarität“ für etliche dieser Menschen Einkäufe zu erledigen und Behördengänge. Sie ging mit mir wochentags täglich irgendwem helfen sowie Mitgliederbeiträge für die „Volkssolidarität“ kassieren, mit der finanzielle Hilfen und Kulturveranstaltungen für Bedürftige finanziert wurden. Und am Wochenende ging sie mit mir ins Theater. Weil sich das so gehört für hoch und niedrig, wenn es nun schon mal für hoch und niedrig gleichermaßen möglich gemacht worden ist, obwohl andere Sachen vielleicht wichtiger gewesen wären. Und außerdem ging sie mit mir dorthin, weil man Kinder nicht allein lässt. Lieber mit vier Jahren schon Tosca, Rigoletto oder Der zerbrochene Krug, als kein Theater für jeden oder ein verängstigtes Kind ohne Schutz und Aufsicht bis in die Nacht allein zu Haus lassen…

Die einmal gewohnte politische Arbeit setzte sich sogleich mit Schuleintritt fort. Jetzt war sie unterteilt in drei Abteilungen: Sozialpolitische Arbeit in der elterlichen Wohnung, bildungspolitische Arbeit mit den gleichaltrigen oder älteren, MitschülerInnen und Ideologiestreit mit Familienangehörigen oder LehrerInnen und Vorgesetzten in den Kinder- und Jugendorganisationen.

Die tägliche sozialpolitische Arbeit bestand im täglichen Umgang mit Handwerkern unterschiedlichster Gewerke, mit händeringend Wohnungssuchenden, mit Reinigungskolonnen, mit Polizei – zivil wie uniformiert, mit Feuerwehr, mit Stasi, mit Ärzten, Bestattern, Anwälten und natürlich mit monatlich zahlungswilligen wie mitunter unwilligen Mietern von Friedrichshainer Häusern. Von genau neunundfünfzig Berliner Häusern. Für die meine Mutter als Hausmeisterin der Kommunalen Wohnungsverwaltung samt Belangen sämtlicher BewohnerInnen, verantwortlich war.

Von zu Hause aus. Das galt als Privileg. Es war aber für ein Kind, das täglich von morgens um sechs Uhr an von über den Tag verteilt dreißig Besuchern und ebenso vielen Anrufern geflutet wird, selten als Privileg wahrnehmbar. Als erwachsener Mensch sieht man das jedoch anders und begreift es sogar als ungeheures Privileg, eine große Menschenkenntnis wie nebenher, als sozusagen mitarbeitendes Kind, erworben zu haben…
Weil unter den vielen Häusern sich Mietskasernen, gutbürgerliche Häuser mit Stuckdecken und Kronleuchter wie auch sozialistisch motiviert errichtete Neubauten mit hohem Wohnstandard befanden, konnte man sich diese Menschenkenntnis über alle sozialen Klassen und Schichten hinweg aneignen. Unter solcher sozial breit verteilt erworbenen Menschenkenntnis sollte man vielleicht nicht annehmen, eine gute Kanzlerschaft für eine mehrheitliche und diverse Bevölkerung ausüben zu können. Es ging aber bisher wohl bei allen Bundeskanzlern auch ohne diese Art Menschenkenntnis, dass die das Amt sich trauten, auszuüben…

Meine sozialpolitische Betätigung setzte sich, das Mithilfe-Aufgabenspektrum deutlich erweiternd, fort, als in meiner Mutter Wohnung ab meinem 12. Lebensjahr dann zeitgleich jeweils drei Patientinnen der Charité mit einwohnten. Sie fuhren täglich in den Strahlenbunker, legten sich unter großen Beklemmungen unter die Gammastrahlen-/Kobalt-Kanone und brauchten nicht in der Onkologischen Klinik schlafen und essen, sondern durften das vollverpflegt durch uns bei uns zu Hause tun, was für den Genesungsprozess dieser Krebspatientinnen günstiger war als ein monatelanger Klinikaufenthalt. Am Wochenende konnten sie dann nach Hause fahren. Solange sie konnten. Von den zweiundvierzig Patientinnen, die ich mithelfend in meinem Zuhause bis zu meinem siebzehnten Jahr – neben der Hausmeisterei – mit Nahrung und seelischem Beistand versorgte, haben gut zwanzig die Behandlung lebend überstanden, oder länger als fünf Jahre und davon einige um noch einiges länger als zehn Jahre gelebt. Die andere Hälfte der Patientinnen nicht.

Zeit, über die bildungspolitische Kinderarbeit zu sprechen: Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich vor Schuleintritt lesen konnte oder daran, dass ich daran gewöhnt war, zwischen den täglichen Turbulenzen mitunter Hausaufgaben machen zu müssen beim Telefonieren oder kurz vor dem ersten Stundenklingeln in der Schule – es blieb nicht aus, dass ich MitschülerInnen effektiv half, Sachen zu verstehen, für deren Verständnis der Unterricht nicht ausgereicht hatte und nachdem die LehrerInnen dies bemerkt hatten, haben sie mich gern mal als Unterrichtsvertretung in mehreren Fächern – außer Sport – eingesetzt. Daran ist die viel zu frühe Autorisierung zum Lehramt gar nicht gut für eine Kanzleramtsanwartschaft, denn die verdirbt natürlich den Charakter. Andererseits: Wenn t r o t z der so anerzogenen Charakterschwäche die anderen was lernen können und freiwillig wollen von einem bis auf den heutigen Tag, scheint dies so hinderlich zum Kanzlerkönnen auch wieder nicht zu sein…

Die erfolgreiche bildungspolitische Arbeit hat in vermutlich JEDER Gesellschaft den Nachteil, dass davon ausgegangen wird, dass man im Hinblick auf politische Arbeit allgemein belastbarer sei als andere. Und deshalb wird man gern gewählt in Ämter. Das scheint auch mit Frau Merkel schon zeitig geschehen zu sein. Wie sie war auch ich einst Chefin der FDJ-Grundorganisation der Schule. Nachdem ich zuvor schnell Chefin der Schul-Pionierorganisation gewesen war. In beiden Ämtern war ich sowohl sehr erfolgreich als auch gar nicht erfolgreich. Leider musste ich oft zum Rapport bei den erwachsenen Organisationslenkern, in der sogenannten „Kreisleitung“ antreten. Irgendwas war immer nicht ganz astrein am von mir geleiteten politischen SchülerInnen-Kampf.

Der politische Kampf meiner Schulgeneration bestand aus fünf wesentlichen ernsten Dingen, die im Einklang mit den öffentlich begrüßten Kämpfen standen:

  1. der Abstimmung über eine DDR-Verfassung – da kämpfte ich noch eher unbewusst und mit dem Roller
  2. dem Kampf für die Freilassung der schwarzen Bürgerrechtlerin Angela Davis – da kämpfte ich schon überzeugt und heftig und veranlasste auch nicht politisch organisierte Katholiken in der Schule mit den Pionieren und FDJ-lern mitzukämpfen
  3. der Unterstützung des Freiheitskampfes des vietnamesischen Volkes gegen die es bestialisch bekriegenden Besatzer
  4. der Unterstützung des Befreiungskampfes der Unidad Popular gegen die von Pinochet errichtete Militärjunta in Chile nach Ermordung des frei gewählten Sozialisten Allende
  5. der logistischen Meisterung der Organisation der WELTfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin: Quartierbesorgungslogistik, Beköstigungslogistik, Beförderungslogistik, Verständigungslogistik, Veranstaltungsplanung und -durchführung für MASSEN

Dann kämpfte ich noch sehr zeitig auch inoffiziell politisch. Und zwar sogar gegen meinen eigenen Vater, einen gelernten Zimmermann und Gewerkschaftsfunktionär, wenn ich ihn traf.
Zum Beispiel

  • dafür, dass ein protestierender, erschossener Student in Westberlin auch dann unsere empörte Solidarität verdient, wenn man mit Westberlin nichts am Hut hat oder haben darf
  • dagegen, dass in Prag sozialistische Panzer gegen sozialistische Brüder und Schwestern aufgefahren werden, bloß weil die mit ein paar Dingen im eigenen, souveränen Land nicht einverstanden sind
  • dagegen, dass der Bevölkerung Wahrheiten nicht gesagt werden, weil man in politischen Führungskreisen denkt, die würde diese nicht vertragen, z.B. die Wahrheit, dass es eine faustdicke Regierenden-Lüge ist, dass sich auf dem Boden der DDR im Gegensatz zur BRD keine Atomraketen befinden würden

Am schlimmsten fanden meine einstigen, erwachsenen Kreisleitungsvorgesetzten, dass ich einmal bei einer Soli-Großveranstaltung für die Chilenen mit über dreißig Leuten Einlass in den Berliner Friedrichsstadtpalast begehrte. Und da waren mehr als die Hälfte ohne Pionier- oder FDJ-Hemd und manche sogar, weil die West-Väter hatten zum Beispiel, in echten Ami-Parkas und Mokassins- und es waren nicht einmal alle in der FDJ! Und dann habe ich gesagt, entweder gehen wir hier alle rein, oder keiner von uns. – Sie haben dann aber doch lieber alle reingelassen; weil es Soli war und ich auch mit dreizehn Jahren schon überaus resolut sein konnte – auch gegen Autoritäten, wenn jemand aus ideologischer Begrenztheit ausgegrenzt werden sollte… Ich hab dann gesagt, wählt mich doch ab – aber die Kreisleitungen haben eben nicht gewählt, auch wenn sie vielleicht gerne gewählt hätten… Sondern die MitschülerInnen haben. Und zwar wiedergewählt.

Die haben eben gemocht, wie ich die offiziellen wie die inoffiziellen Sachen angehe. Sie waren an einer Schule, an der mit Abstand die häufigsten Discoveranstaltungen organisiert wurden. Das war nicht so leicht, man musste eine Musikliste bei der Polizei zur Genehmigung der Veranstaltung vorlegen. Da durften nur 40 % West-Musiktitel drauf sein. Und man musste DirektorInnen überzeugen, dass man politische Soli-Arbeit genauso ernst nimmt wie logistische Vergnügungsarbeit.

Wir haben also in den Pausen in einem kleinen Stab englische Musiktitel und Bandnamen in schöne wohlklingende deutsche umgewandelt und dann habe ich die durch Übersetzung bereinigte Titel-Liste in der Bezirkspolizeidirektion zur Absegnung vorgelegt. Und zwar grinsend: Der dort zuständige Abschnittsbevollmächtigte hätte gern auch einmal nicht unterschrieben – Aber er wohnte halt auch in einem der neunundsechzig Häuser und hat gewiss bedacht, auch mal gern einen dieser immer ausgebuchten Handwerker bei sich haben zu wollen…

Mit solchem, schon früh ausgeprägten Hang zu lobbyistischen Tricksereien kann man natürlich unmöglich Kanzlerin werden. Vor allem, wenn die schlechten Anlagen trotz vieler ausgeübter
Berufstätigkeiten- etwa. im Kulturbereich, im Bildungsbereich, im Handel und in der Werbung wie im Gesundheitswesen so eingeschliffen haben, dass auch frühe Familiengründung und drei Kinder, die man durch ihre Studien hindurch und bis zum Enkelkriegen begleitet hat, nicht mehr verbessert werden konnten…

Ich schätze, ich würde als Kanzlerin allein aus Gewohnheit weitertricksen. Ich würde zum Beispiel immer eine/n Co-KanzlerIn an meiner Seite haben und darauf bestehen, dass wir ein Büro teilen. Diese/r müsste alle sechs Monate wechseln und einer/m anderen Co-KanzlerIn Platz machen, damit die jeweils entsendende Partei Amtserfahrung aufbauen kann. Ich würde darauf bestehen, dass niemand länger als vier Jahre im Amt bleiben dürfte, einschließlich meiner Person. Und darauf, dass die Ämter der RegierungssprecherInnen durch Vertreter der Opposition bekleidet werden. Weil nur so garantiert ist, dass im Bericht über Regierungshandeln der Neutralitätsgrundsatz beherzigt wird und sich sowohl die Regierung in Oppositions-Argumente als auch umgekehrt, die Opposition sich in Motive für Regierungshandeln, gezwungenermaßen hineindenkt. – So viel bürokratische Änderung können Deutsche bestimmt nicht verkraften! Deshalb könnte ich auch dann keine Kanzlerin sein, wenn ich das im Prinzip vielleicht könnte…

Vor allem aber könnte ich selbst dann nicht Kanzlerin werden, wenn ich es gewiss könnte. Und zwar, weil ich dafür mit einundsechzig Jahren zu alt bin. Niemand sollte über das erreichte Rentenalter hinaus in einem regulär bezahlten Amt sein. Außerdem kann ich kein Englisch und habe keinen Führerschein. Und: Niemand sollte sich für gerade dieses Amt selbst bewerben, sondern allenfalls einem an ihn ergangenen Ruf durch andere nach reiflicher Überlegung folgen. Da bin ich überaus altmodisch. Und eine altmodische Kanzlerin- kann auch keiner ernsthaft brauchen…

Warum ich Kanzlerin (nicht) könnte

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