„Rebell“, „Protestler“, „Widerständler“ waren einst eine Art Ehrentitel für Rocklegenden und Songwriter. Von „Love and Peace“ bis „Anti-Atomkraft“. Auf keinem Festival durften sie fehlen. Im Zweifel links, im Zweifel gegen Staat und Obrigkeit. Seit Corona sind die meisten still. Seit Corona ist Kritik riskant. Wer kritisiert, wird kritisiert.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind keine Konzerte mehr möglich. Die Musiker hoffen auf Staatshilfen. Seit Corona verschwimmen das einstige „Links“ und „Rechts“. Früher „Antifaschist“, jetzt ein „Rechter“? Von der Weltbühne bis in die Region.

No more lockdown, no more government overreach

singt Van Morrison im Oktober 2020.

„Ungenießbar, auch musikalisch“, schreibt der Spiegel. „Musikkritiker rümpften … die Nase“, urteilt die Berliner Zeitung. Jetzt legt „Van the Man“ mit Eric Clapton nach. „Stand and Deliver“ heißt der gemeinsame Song für den „Lockdown Financial Hardship Fund“ zugunsten von Künstlern. Einen Hilfsfonds von und für Musiker gibt es hierzulande nicht.

Deutsche Stars wie Grönemeyer oder BAP können sich regierungstreue Haltung buchstäblich leisten. Sie sind „Luxus-Kulturschaffende“, leben von Tantiemen.

Mit „kritischen“ Musikern ist man auch hierzulande nicht gnädig. Das gilt für Superstars wie Nena bis hin zum „bayerischen Rebellen“ und selbsterklärten „Antifaschisten“ Hans Söllner aus Berchtesgaden. Nach seiner Coronakritik distanzierte sich das Plattenlabel „Trikon“ öffentlichkeitswirksam von ihm.

Wir müssen Konsequenzen fürchten

„Wir müssen Konsequenzen fürchten, werden gesellschaftlich geächtet. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz“, sagt Thorsten Gary, Gitarrist aus Baden-Württemberg. 140 Konzerte gab Thorsten Gary als Duo, mit Band, mit der Philharmonie Leipzig. Jedes Jahr. Seit März 2020: von 140 auf Null.

Unterstützung durch Radio und TV haben regionale Künstler nicht. Die einzige Perspektive: Hartz IV. Arbeitslos sind auch die beiden Mitarbeiterinnen im Büro von Thorsten Gary. Jetzt werden Ersparnisse aufgebraucht. „Mein Beitrag zur Künstlersozialkasse ist 100 EUR höher als mein Hartz IV-Satz“, berichtete Thorsten Gary, „Die meisten Künstler wissen nicht, wie sie überleben sollen“. Familien stehen vor dem Aus. Sie „wissen nicht, wie sie ihre Wohnung bezahlen sollen oder die Kredite.“

Thorsten Gary gibt nicht auf

Er kontaktierte die Politiker seiner Region. Konzerte mit der „Initiative Musik“ sind geplant. Viel Zeit und Mühe fließen in die Erstellung von Hygienekonzepten. Zudem soll es Streaming-Konzerte für Altenheime geben. Doch zwei Tage später der wird der „Lockdown light“ ausgerufen. Das bedeutet für ihn: Totalausfall, Berufsverbot!

„Irgendjemand muss durchs Raster fallen“, war die Rückmeldung von Andrea Schwarz (MdL, Grüne) auf seine Nachfrage. Das seien halt jetzt die Künstler. Bei den sonst so kunstaffinen Grünen „eine ganz besondere Art von Mitgefühl“, findet Thorsten Gary.

In Axel E. Fischer (MdB, CDU) fand Thorsten Gary einen Abgeordneten, der das anders sieht. Er nahm sich Zeit und besuchte den Künstler in dessen Büro. „Die Schicksale von Menschen, die durch Corona-Maßnahmen verursacht werden, dürfen von der Politik nicht einfach vom Tisch gewischt werden.“ Axel E. Fischer hat am 18.11.2020 im Bundestag gegen das Infektionsschutzgesetz gestimmt.

Eine Rückmeldung der Politiker anderer Parteien steht aus. Auf eine Antwort aus Ministerien und dem Gesundheitsamt wartet der Musiker bis heute. „Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, sind grundsätzlich nicht mehr erlaubt“, so die aktuelle Verordnung seiner Landesregierung vom 2.12.2020. Das Ende bleibt offen. Und die Pleite rückt näher.